Unter dem Titel "Arbeitsvermittlung absurd" berichtete die Sendung "Frontal 21" am 5. Dezember 2006, wie eine international arbeitende Wissenschaftlerin bei ihrer Rückkehr aus den USA in Deutschland von der zuständigen Arbeitsbehinderungsanstalt ARGE als Küchenhilfe "vermittelt" wurde.
Auszug:
Claudia Wassmann ist promovierte Ärztin und Historikerin. Sie hat in Amerika gearbeitet, an der Universität von Chicago gelehrt, zahlreiche wissenschaftliche Texte veröffentlicht - und sie spricht vier Sprachen.
[...] Jetzt ist sie nach Deutschland zurückgekehrt zu ihrer Familie und sucht hier einen Job.
[...] Da sie sieben Jahre lang im Ausland gearbeitet hat, gilt die Wissenschaftlerin als langzeitarbeitslos. Sie hat in Deutschland auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, sondern wird sofort zu einer von vielen Hartz IV-Empfängern und deshalb von der ARGE betreut. Die Arbeitsvermittler bieten ihr auch prompt eine neue Arbeit an: einen Ein-Euro-Job als Küchenhilfe. "Ich habe zu diesem Gespräch 32 Stellenanzeigen mitgebracht, die alle für meine Qualifikation geeignet waren", sagt Claudia Wassmann. "Und diese Dame hat mir gesagt: Ich habe auch noch ein Stellenangebot für Sie, was für ihr Profil passend ist. Und hat mir dann dieses Angebot gegeben."
Die Eigeninitiative der Wissenschaftlerin scheint der ARGE egal zu sein. Auch ihre Doktortitel spielen bei der Auswahl keine Rolle, wird Claudia Wassmann mitgeteilt. Bei der Eingabe in den Computer lässt eine ARGE-Mitarbeiterin sie einfach unter den Tisch fallen. Fortan spuckt der Computer ein Profil für Claudia Wassmann aus, das mit der Wirklichkeit offensichtlich wenig zu tun hat.
Die Akademikerin aber gibt nicht auf, bewirbt sich auf eigene Faust im In- und Ausland. Die Reisekosten kann die ARGE laut Gesetz erstatten. Kann sie, baut aber dafür im Fall Wassmann immer wieder bürokratische Hürden auf. Die ARGE, findet Claudia Wassmann, macht ihr das Leben und Bewerben in Deutschland nur schwerer, die so genannte Arbeitsvermittlung sei reine Schikane: "Konkret ist es erst mal eine extreme psychische Belastung. Und außerdem behindert es meine Bemühungen Arbeit zu finden außerordentlich," sagt die Arbeitsuchende.
Bis heute gibt es kein einziges Stellenangebot von der ARGE, außer des Jobs als Küchenhilfe. [...]
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,4086607,00.html
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