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Die Kasseler Erwerbslosen-Initiativen sind ein Zusammenschluss von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern in Kassel und Umgebung seit Februar 1998.


Die Webseiten und dieser Blog werden noch als Archiv geführt.

02 Juli 2006

Der Nordhessische Ernte-Skandal

Aus der HNA (http://www.hna.de) vom 29.06.2006

Ernte verfault auf Feldern -

Bauern von Obst und Gemüse haben in diesem Jahr zu wenig Saisonarbeiter

KASSEL. Erdbeeren werden verfaulen, Spargel wird holzig, Kirschen werden von den Vögeln gefressen ... Denn in diesem Jahr können viele Felder in Hessen nicht rechtzeitig geerntet werden. Der Grund: Den Bauern fehlen Saisonarbeiter. Schuld ist eine neue Regelung der Bundesregierung. Diese besagt, dass jeder Betrieb nur noch 80 Prozent der im Vorjahr beschäftigten Saisonarbeiter aus Mittel - und Osteuropa beschäftigen darf Die restlichen 20 Prozent sollen deutsche Arbeitslose sein.

"Das funktioniert in der Praxis aber nicht", sagt Bernd Weber, Pressesprecher des Hessischen Bauernverbandes. [...] Und das wird zum Problem bei den Sonderkulturen wie Gemüse und Obst, wo eine zeitgerechte Ernte wichtig ist, damit die Qualität stimmt. "Dort werden zuverlässige und motivierte Arbeitskräfte gebraucht", erklärt Pressesprecher Weber.

[...]

... Das Ergebnis: Die Saisonarbeiter aus Polen und Rumänien mussten in den letzten Wochen die liegen gebliebene Arbeit der Deutschen aufarbeiten. [...]

Richtig sauer ist Kirschenbauer Armin Kindervatter aus Witzenhausen: "Die Regierung müsste den Arbeitslosen den Anreiz geben, mehr Geld verdienen zu dürfen." Auf eine Anzeige hin haben sich 150 Menschen bei ihm gemeldet, die die Kirschen pflücken wollten. Dafür bekommen sie bei ihm bis zu 100 Euro Lohn am Tag. Die dürfen sie aber nur pro Monat zum Arbeitslosengeld hinzuverdienen. "Es ist unglaublich, dass Menschen, die arbeiten wollen, nicht arbeiten dürfen. Er rechnet mit Einbußen von 100 000 Euro in diesem Jahr."

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"Arbeit wird nicht angemessen bezahlt"

Marion Drögsler vom Arbeitslosenverband kritisiert die Bedingungen für Erntehelfer

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Verdienen die Deutschen für die Saisonarbeit zu wenig?

DRÖGSLER: Die körperliche Arbeit über Stunden wird nicht angemessen bezahlt. Und das, was für die Arbeitslosen herauskommt, trägt nicht zu deren Lebensverbesserung bei, weil sie pro Monat nur die ersten 100 Euro vom Zusatzverdienst frei haben, vom Rest werden 80 Prozent auf das Arbeitslosengeld II angerechnet.

Was müsste sich also ändern?

DRÖGSLER: Es muss den Menschen ermöglicht werden, dass sie während der Erntezeit mit ihrem Lohn unabhängig von Hartz IV leben können. Außerdem müssten die Löhne angehoben werden, und die Arbeitsbedingungen dürfen für den, der zum ersten Mal als Erntehelfer arbeitet, nicht zu hoch gehängt werden.

[...]

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Gleichzeitig wird gemeldet, daß die Zahl der Arbeitslosen im Gesamtbezirk Kassel gegenüber dem Vorjahr insgesamt um etwa 4000 gesunken, die Zahl der Langzeitarbeitslosen (also der ALG II-Empfänger) aber um 2400 gestiegen ist.

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