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Die Kasseler Erwerbslosen-Initiativen sind ein Zusammenschluss von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern in Kassel und Umgebung seit Februar 1998.


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01 Juni 2006

Der Kasseler Anwaltsgehilfen-Skandal

Wieder aus der HNA (http://www.hna.de) vom 28.05.2006:
 

Lokales / Kassel

Offizier zum Akten abheften

Arbeitsagentur schickt Rechtsanwaltskanzlei 20 ungeeignete Bewerber

[...]

Kassel.

Gesucht: weibliche Aushilfskraft für leichte Bürotätigkeit in Anwaltskanzlei, bis 25 Jahre alt.

"Ich war doch einigermaßen erstaunt, als sich bei uns ein Stabsunteroffizier vorstellte", sagt Rechtsanwalt Thomas Thöndel. [...]

Die Agentur für Arbeit schickte 20 Bewerber, darunter fünf Männer und mehrere Soldaten. "Die Bewerber waren völlig ungeeignet", sagt Thöndel. Die Agentur habe die falschen geschickt. Der Vorwurf des Anwalts: Die Agentur für Arbeit hat sich nicht mit der Ausgestaltung des Arbeitsplatzes auseinander gesetzt und die betriebspsychologischen Aspekte berücksichtigt. [...]

Ein teurer Spaß für die Kanzlei: "Schon aus Höflichkeit musste ich mit allen Personen, die sich vorgestellt haben, ein Gespräch führen." [...] Möglicherweise sei die Arbeitswilligkeit der Bewerber überprüft worden, vermutet Thöndel. Gegen Erstattung der Fahrtkosten versteht sich.

Auf etwa 3000 offene Stellen kämen im Bezirk der Agentur für Arbeit Kassel 50 000 Arbeit Suchende, berichtet Agentur-Sprecher Rainer Krollpfeiffer. Die Sachbearbeiter würden anhand des Stellenprofils geeignete Bewerber heraussuchen und den Unternehmen vorschlagen. Dies sei ein üblicher und weit gehend automatisierter Vorgang. [...]

Erstaunlich findet Thöndel: "Viele der Bewerber haben nicht verstanden, warum sie ausgesucht worden sind." Für ihn besonders ärgerlich: "Wir hatten eine gut qualifizierte und hoch motivierte Schülerpraktikantin für diese Aufgabe." Man habe aber eine Arbeitserlaubnis für sie beantragen müssen. Das Mädchen sei zwar in Deutschland geboren, aber ihre Eltern stammen nicht aus Europa. Die Arbeitserlaubnis wurde abgelehnt.

Dafür sei aber die Agentur für Arbeit nicht zuständig. "Wir melden der Ausländerbehörde lediglich, dass wir für diese offene Stelle qualifizierte deutsche Bewerber haben", sagt Krollpfeiffer. In diesem Fall werde eine Arbeitserlaubnis nicht erteilt.

28.05.2006
 

Anmerkung:

Das ist doch seltsam: man möchte es vor lauter Langeweile schon gar nicht mehr erwähnen, aber die Arbeitsverwaltung schickt auf offene Stellen, wenn sie denn gefragt wird, offensichtlich grundsätzlich NUR ungeeignete Bewerber, und zwar jedes einzelne Mal - siehe auch den "Kasseler Tankstellen-Skandal" einige Wochen zuvor.

Geschieht das nun aus Unfähigkeit oder vielleicht gar auf Anweisung und mit System, um an Hand völlig untauglicher Stellenangebote die "Arbeitswilligkeit der Bewerber" zu überprüfen? Mal sehen wann sie aufgeben, und dann rein mit der Sperre, juchu? Und warum fällt es der Öffentlichkeit nicht langsam auf? Sich hartnäckig über Mißbrauch durch solche Sperenzchen beschwerende, ernsthafte Arbeitgeber jedenfalls bekommen, wie auch im Tankstellen-Skandal, pampige und beleidigte Antworten zu hören - vermutlich weil sie damit die "Vermittlungshoheit der Arbeitsagentur" in Frage stellen - offenbar ein Sakrileg. Oder ein Geschäft. Offene Stellen werden so über die Arbeitsverwaltung jedenfalls nicht besetzt, und das soll wohl auch so bleiben.

Mal sehen, ob sich nicht wie beim Tankstellen-Skandal auf Grund des HNA-Artikels genügend Bewerber von selbst einfinden.

JH
 

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